Baumkontrolle

Baumkontrolle und Eingehende Untersuchung

Um frühzeitig absehbare Gefahren durch einen Baum zu erkennen und mit geeigneten Maßnahmen zu minimieren, sollte jeder Baum im öffentlichen Raum regelmäßig kontrolliert werden. Im Rahmen der gesetzlich geregelten Verkehrssicherungspflicht sind Baumeigentümer*innen verpflichtet dafür zu sorgen, dass von einem Baum keine Gefahr für Dritte ausgeht. Als zertifizierte Baumkontrolleur*innen führen wir solche Baumuntersuchungen aus.

Die Regelkontrolle nach FLL-Baumkontrollrichtlinien 2020 beinhaltet die fachlich qualifizierte Inaugenscheinnahme des Baumes (Stammfuß, Stamm, Krone) vom Boden aus, um die Vitalität des Baumes und seine die Stand- und Bruchsicherheit zu beurteilen und ggf. erforderliche (Baumpflege-) Maßnahmen abzuleiten. Sie erfolgt nach der VTA-Methode (Visual Tree Assessment) und mit einfachen Hilfmitteln wie Sondierstab, Diagnosehammer und Fernglas. Die Ergebnisse werden in einem Protokoll festgehalten und übergeben.
Bei größeren Baumbeständen können im Zuge der Baumkontrollen digitale Baumkataster erstellt werden. Dabei werden die Bäume nummeriert und allgemeine Baumdaten erfasst. Die Ergebnisse der Kontrollen , sowie beispielsweise Art- und Umfang von Pflegemaßnahmen fließen in die Dokumentation mit ein. Ein Baumkataster ermöglicht einen guten Überblick über Zustand, Dringlichkeit einer Pflege oder weiterer Untersuchungen und bereits erfolgte Maßnahmen.

Bestehen nach der Regelkontrolle weiterhin Zweifel über den Baumzustand z.B. aufgrund von festgestellten Pilzfruchtkörpern, Höhlungen oder Fäulen  sind weitere Diagnoseverfahren nach FLL-Baumuntersuchungsrichtlinien 2019 notwendig.

Folgende Untersuchungsmethoden  können von uns angewandt und die Ergebnisse dokumentiert werden:
Weiterführende Untersuchung (Beispiele): Freilegen und Abklopfen von Wurzelanläufen. das Abklopfen von Stammabschnitten und Starkästen, sowie die Beurteilung von Einmorschungen durch holzzersetzende Pilze innerhalb der Krone. Untersuchung von Höhlungen, Wachstumsdefiziten, Wülsten und Rissen. Werkzeuge, die zum Einsatz kommen sind z.B. Bodensonde, Handhacke, Hippe, Taschenlampe, Endoskopkamera, Höhenmesser und Bandmaß.

Schalltomographie: Dabei handelt es sich um eine baumschonende Messtechnik, bei der das Ausmaß innerer Schäden mittels Laufzeitmessung von Schallwellen dargestellt werden kann. Zur Anwendung kommt ein PICUS-Schalltomograph.

Statisch Integrierte Baumbeurteilung (SIB): Ist eine Methode zur Berechnung der statischen Grundsicherheit des Baumes auf der Basis der Daten Baumhöhe, Kronengröße und -form, Stammdurchmesser und -öffnungen, auftretende Windkräfte am Standort und Materialeigenschaften der Baumart.

TreeCalc: Ist eine Baumstatiksoftware, die auf internationalen Normen und ingenieurstechnischen Konventionen aufsetzt. Mit ihr kann durch die Eingabe von individuellen Baumdaten die Bruchsicherheit des Baumes eingeschätzt und entsprechende  Schnittmaßnahmen abgeleitet werden.

Strategien der Bäume und ihre Grenzen

Bäume sind auf Grund ihrer Langlebigkeit und Größe imposante Lebewesen, die eine Vielzahl von Funktionen erfüllen. Die Jahrzehnte und Jahrhunderte ortsgebunden Bäume haben bemerkenswerte Überlebensstrategien entwickelt, um Gefahren wie Naturgewalten und menschliche Eingriffe mit effektiven Mitteln auszugleichen. Abhängig von ihrer Vitalität, ihrem Baumalter und ihren Erbanlagen können sie sich mehr oder weniger gut an veränderte Umwelteinflüße anpassen oder Schäden reparieren.

Stark beanspruchte Bäume auf ungünstigen Standorten oder ältere Bäume weisen häufig Schadsymptome auf. Zum Beispiel Totholzäste, gerissene „Unglücksbalken“ oder Fäulen im Wurzelstock oder Stammfuß können die Bruch- und Standfestigkeit der Bäume stark beeinträchtigen. Durch Abbrechen von Ästen oder Umkippen des ganzen Baums können haftungsrelevante Personen- oder Sachschäden entstehen.

Rechtliches – die Verkehrssicherheitspflicht

Baumeigentümer*innen oder Baumverantwortliche sind zur Verhinderung von Personen- und Sachschäden dazu angehalten im Rahmen des Möglichen ihre Bäume regelmäßig auf Gefahren hin zu kontrollieren. Sie sind für die Verkehrssicherung ihrer Bäume verantwortlich (wichtigstes BGH Urteil von 1965; §823, Abs. 1, BGB). Eine Baumkontrolle soll Gefahren vorbeugend erkennen und diese durch geeignte Maßnahmen abwenden können.
Haftungsansprüche können aber nur für Schäden entstehen, die durch rechtzeitige Pflege und Handeln zu verhindern sind. Dabei muss im Schadensfall bewiesen werden, dass alle zumutbaren Vorkehrungen, eine regelmäßige Baumkontrolle eingeschlossen, getroffen wurden.

Was eine fachlich qualifizierte Baumkontrolle kann

Eine fachlich qualifizierte Baumkontrolle ist dann angebracht, wenn Baumeigentümer*innen nicht sicher beurteilen können, ob von Ihren Bäumen eine Gefahr für Dritte ausgeht. Dabei werden Bäume auf Defektsymptome und sonstige Anzeichen mit Einfluß auf die Verkehrssicherheit hin untersucht und beurteilt. Abhängig vom Kontrollergebnis baumpflegerische Maßnahmen zur Herstellung der Verkehrssicherheit abgeleitet. Ist das Schadensausmaß nicht eindeutig durch eine Sichtkontrollezu beurteilen und ist der Baum erhaltenswert, werden weiterführende Untersuchungen empfohlen. Bei zu großen Schäden und Gefahr des Bruch- und Standversagens ist eine Fällung letzte unvermeidbare Lösung. Nach einer Kontrolle wird abhängig von Alter, Entwicklungsphase und Baumgesundheit das Kontrollintervall festgelegt, was sich i.d.R. zwischen 1-3 Jahren bewegt, in Sonderfällen auch kürzer.

Eine Baumkontrolle ermöglicht ebenfalls Fehlentwicklungen in der Krone festzustellen. Die daraufhin empfohlenen baumpflegerischen Maßnahmen helfen einen späteren verkehrssicherheitsrelevanten, meist umfangreicheren Defekt vorbeugend auszuschließen. Hinsichtlich des Pflege- und Kostenaufwandes sind solche vorbeugenden Maßnahmen deutlich günstiger als sehr spät eingreifende, den Baum oft stärker schädigende Schnitte. Große fortgeschrittene Schäden bedeuten meist aufwändige über längere Zeiträume erforderliche Nachbehandlungen.

Wo sind Baumkontrollen angebracht

Baumkontrollen müssen überall dort durchgeführt werden, wo ein Verkehr eröffnet wird.  Das sind Bäume an Straßen, Wegen, Friedhöfen, Einrichtungen und Plätzen im öffentlichen Bereich, sowie private Gehölzbestände an deren Umgebung sich öffentliches Leben abspielt und mögliche Gefahren durch den Baum dafür ausgehen.
Bei größeren Baumbeständen empfiehlt sich die Erstellung eines Baumkatasters. Entweder wird jeder Einzelbaum erfasst und kontrolliert oder bei flächigen Beständen nur diejenigen mit Anzeichen für eine Gefährdung der Verkehrsicherheit.